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Religionen

Atheisten gesucht!

Georg Schmid Frankreich gilt nach einer neuen Umfrage weltweit als das Land mit den meisten Atheisten. Bis vor kurzem war Tschechien auf diesem Spitzenplatz. Nun ist Tschechien abgeglitten auf Rang 2. Für unsere kleine protestantische Gemeinde in Montluçon1 ist dieser erste Rang Grund genug, mit Atheisten ins Gespräch zu kommen.

Der nächste Runde Tisch im Februar beschäftigt sich deshalb mit der Frage: «Warum an Gott glauben bzw. nicht an Gott glauben? Eine freundschaftliche und offene Begegnung zwischen Christen und Atheisten.»

Einladung zum Gespräch
So weit so gut. Aber wie findet man im Land mit der grössten Zahl von Atheisten Menschen, die in einer offenen Runde uns ihren Atheismus erläutern? Zur Vorbereitung dieser Begegnung kontaktierte die Vorbereitungsgruppe eine grosse Zahl von Bekannten und Freunden, die sich als Atheisten bezeichnen. Bisher mit bescheidenem Erfolg. Einzig der Präsident der Freidenkergruppe unseres Departementes Allier sagte bisher ohne grosses Zögern seine Mitarbeit zu. Wir versicherten allen möglichen Gesprächspartnern zwar, dass wir sie nicht zu einem Fussballmatch einladen wollten: Es würde bei dieser Aussprache – dies sagten wir deutlich – keinen Sieger und keine Besiegten geben. Aber dieses Versprechen nützte bisher wenig.

Hindernisse

Offenbar sprechen Atheisten nicht gerne über ihren Atheismus. Haben sie Angst davor, dass wir sie beschwatzen und am Ende sogar bekehren wollen? Oder fürchten sie an einem grossen runden Tisch die Einwürfe anderer Atheisten? Weckt das Gespräch mit Christen in ihnen alte, traumatische Erinnerungen? Sagt ihnen ihre langjährige Erfahrung, dass ein Gespräch mit Christen sowieso nichts bringt? Oder fühlt sich der eine oder die andere vielleicht in allen Widerständen innerlich dem Glauben doch so nah, dass er bzw. sie sich auf keinen Fall der Gefahr aussetzen will, in die «Glaubensfalle» zu stolpern?

Keine Angst vor Christen!
Wir wissen nicht, was Atheisten zutiefst bewegt, solange wir nicht mit ihnen ins Gespräch finden. Wenn der Runde Tisch im Februar aber Atheisten und Christen zusammenführen wird, werden wir fürs Erste versuchen, Ängste abzubauen. Wir werden keine Fallen stellen. Und keine Lassos werfen. Wir werden niemanden vorführen. Sondern versuchen, andere Menschen zu verstehen – in ihren Erfahrungen, Erwägungen, Hoffnungen und ihren Ängsten. Und wir werden gleichzeitig versuchen, auch unsere Erfahrungen, Erwägungen, Hoffnungen und Ängste mit ihnen zu teilen. Denn: Atheismus – das ist vielleicht nach aussen hin eine kompakte und in sich schlüssige Ideologie. Unter dem zur Schau gestellten Propagandabild verbergen sich aber Menschen wie wir.

Jesus und die Atheisten
Wie würde Jesus den heutigen Atheisten begegnen? Der Meister von Nazareth war ein genialer Gesprächspartner. Er würde anders, treffender, hilfreicher reagieren als wir. Und er würde vor allem den Menschen im Atheisten sehen. In diesem Punkt werden wir versuchen, ihm im Gespräch im Februar nachzufolgen. Falls sich dann wirklich Atheisten finden, die zu uns stossen. Wir machen nächstens in der hiesigen Tageszeitung einen Aufruf, wonach die protestantische Gemeinde von Montluçon dringend Atheisten sucht.
Fortsetzung folgt.

1  Der Autor wohnt heute in Frankreich.

Prof. Georg Schmid ist Pfarrer und Religionswissenschafter.
georg.schmid@STOP-SPAM.relinfo.ch

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