INSIST

Schöneggweg 1

3672 Oberdiessbach

Telefon 031 771 28 79
www.insist.ch

Spiritualität

Freiheit als Gabe und«Auf-Gabe»

Ruth Maria Michel Die folgenden Ausführungen und Übungen zeigen einen Weg, wie wir freier werden können.


Die Wahrheit wird euch frei machen. Jesus sagt: ICH BIN ... die Wahrheit1.
Wenn der Sohn euch frei macht, werdet ihr wirklich frei sein
2.
Lasst die Freiheit nicht zu einem Anlass für das Fleisch nehmen, sondern dienet einander durch die Liebe
3.

In Freiheit einander in Liebe dienen! Nicht Freiheit ist also das höchste Ziel, sondern gelebte Liebe. Ein Torwart bewegt sich beim Elfmeter hin- und her; diese Haltung bezeichnet die Exerzitienspiritualität als «Indifferenz». Gemeint ist jene «Freiheit des Geistes», welche die «Freiheit zum Gegenteil» beinhaltet – falls sich das Gegenteil als das Bessere erweisen sollte. «Indifferenz» ist nicht zu verwechseln mit einer gedanken- und herzlosen Gleichgültigkeit, sondern ist Vorbereitung zu «engagierter Gelassenheit» bzw. zu einem «gelassenen Engagement», zu unaufgeregter, aber entschiedener Liebe. Jedoch: Entscheidungen fälle ich selten nur nach dem besseren Argument, sondern nach oft unbewussten Emotionen und unbewältigten Erfahrungen, den sogenannten «ungeordneten Anhänglichkeiten», also nach Neigungen, Wünschen, Bedürfnissen, Konflikten usw. «Ungeordnet», nicht weil sie an sich schlecht sind, sondern noch nicht auf «Christus hin geordnet» – und somit wie an Bindfäden festgemacht echte Freiheit hindern. Deshalb suche ich im Einflussbereich des Heiligen Geistes jenes Gleichgewicht, das es mir möglich macht, mich grundsätzlich für das eine oder andere zu entscheiden – je nachdem welches von beidem das Reich Gottes mehr fördert. Realistischerweise werde ich selten völlig indifferent sein, kann mich aber für den Weg dahin entscheiden:

1. Besinnung ist Voraussetzung, damit ich meine inneren Bewegungen bewusst wahrnehme und sie wahr sein lasse: Freude, Ärger, Friede, Unlust, Kraft, ...? Z.B. Ich werde unruhig – warum werde ich unruhig? Warum möchte ich einer bestimmten Person fast automatisch widersprechen? – Was passiert bei mir und beim Anderen?

2. Diese Wahrnehmungen drücke ich im Gebet vor Gott aus – dankend, bittend, klagend: «Jesus Christus, Immanuel, Du Gott mit mir – diese Gedanken und Gefühle freuen, ärgern, bedrängen mich; machen mich traurig, ...» Arbeiten und Entscheidungen (persönliche und die eines Gremiums) werden nicht dieselben sein, wenn man sich die Ruhe nimmt und wie mit Gott zusammen auf das «Material» hinsieht: «Gott, mir gehts so damit. Was meinst Du dazu?» Dies kann zu einer Auseinandersetzung mit Gott führen, auch ringend und schimpfend. Und wird meine Haltung verändern!

3. Im Horchen auf Gott frage ich: Wo und wie ruft mich Gott in den harten Fakten, in Konflikten usw. seinem Reich mehr Raum zu geben? Was ist der nächste konkrete Schritt (heute, für mich)?

4. Damit verbunden ist das Ringen um die innere Bereitschaft, dem als richtig Erkannten mit «weitherziger Seele» zu folgen. Die Bereitschaft zu diesem grossherzigen Mehr ist einerseits mein Bemühen, und gleichzeitig gilt: «Die Gnade kommt all unserem Tun zuvor.»

5. Ich werde kaum «ganz» indifferent sein, suche aber «einen Schritt mehr» dahin zu kommen. Bsp.: Vielleicht habe ich unbewusst innerlich einen Entscheid bereits gefällt. Dann soll ich dazu stehen: «Es gibt gar nichts zu entscheiden – ich habe innerlich schon entschieden.» Oder aber ich stelle die Wählbarkeit in mir selber wieder her: «Ich weiss noch nicht, was richtig ist. Und ich bin bereit anzunehmen, dass es ganz anders rauskommen kann als ich es mir im Moment vorstelle.»

Wer spürt nicht auf vielfache Weise in seinem Leben Verkrampftheiten, ungute Abhängigkeiten, Zwanghaftigkeiten, verbissenes Verfolgen von Zielen, Ängste vor ..., alte und inzwischen schädliche Verhaltensmuster usw.? In all das hinein dürfen wir den von Paulus formulierten Ruf wirken lassen4:

«Zur Freiheit hat uns Christus frei gemacht; darum steht fest und lasst euch nicht wieder unter ein Joch der Knechtschaft bringen. ... Denn ihr seid zur Freiheit berufen, ... Nur lasst die Freiheit nicht zu einem Anlass für das Fleisch nehmen, sondern dienet einander durch die Liebe.»

Wahrheit macht frei!

  • Was sind frohe Wahrheiten meines Lebens?
  • Was sind unangenehme Wahrheiten meines Lebens?


Sich anzuvertrauen nimmt Angst und macht dadurch frei.

  • Höre ich heute die Einladung, mich vertieft Gott anzuvertrauen?
  • Wo will ich mehr Vertrauen zu einem Menschen wagen?


«Freiheit von» muss gekoppelt sein mit «Freiheit zu».

  • Was mir un-bedingt wichtig ist, ist ein Götze. Was ist mir unbedingt wichtig?
  • Wovon und wozu will ich frei(er) werden?


Verzichten macht frei.

  • Will ich die Fähigkeit zum Verzichten fördern?
  • Was sind «höhere Güter», die mich motivieren, Verzicht zu üben?


«Ohne Befreiung vom zwanghaften Tanz um das eigene Egoismus-Ich» durch Jesus Christus, den Er-Löser, gibt es kein menschliches und geistliches Wachsen5.

  • Will ich jetzt darum bitten? Was hindert mich evtl. daran?
  • Welche konkreten Schritte sind nötig?
  • Wer könnte mein Verbündeter, meine Verbündete sein?
  • Ich versuche, dies vor Gott zur Sprache zu bringen.


Ruth Maria Michel leitet als VBG-Mitarbeiterin das Ressort «Spiritualität und geistliche Begleitung».

ruth.michel@STOP-SPAM.insist.ch

To top