INSIST

Schöneggweg 1

3672 Oberdiessbach

Telefon 031 771 28 79
www.insist.ch

Spiritualität

«Fünf Lebensstufen»

Ruth Maria Michel Wie ein Adler sein Gefieder
über seine Jungen streckt,
 also hat auch hin und wieder
mich des Höchsten Arm bedeckt,
 alsobald im Mutterleibe,
da er mir mein Wesen gab
 und das Leben, das ich hab
und noch diese Stunde treibe.
 Alles Ding währt seine Zeit,
 Gottes Lieb in Ewigkeit.1

 

Im Zentrum der Bilderreihe2 steht der Mensch. Auf jeder Bildtafel ist er anders dargestellt, von anderen Farben umgeben und von anderen Symbolen begleitet. Die Grösse der Gestalten erzählt von Auf- und Abstieg, von Wachsen und Vergehen. Die Farben orientieren sich am Tages- und Jahresablauf, welche unserm Leben einen festen Rhythmus geben: Von der blauen Farbe des Morgens wird der Bogen über das warme Licht des Mittags zu den Farben der untergehenden Sonne und des dunkler werdenden Abends gespannt. Das sphärische Blau des Winters wird vom aufbrechenden Grün des Frühlings abgelöst, um im sommerlichen Gelb seinen hellsten Ausdruck zu finden und dann über das herbstliche Rot in die zurückhaltenden Farben des Jahresendes überzugehen.

Geburt und Kindheit
Das erste Bild lässt das neue Leben als Geschenk des Himmels sehen. Von Wärme getragen und gehalten ist es noch von der Tiefe und Weite des Himmels umgeben. Es wird von oben in diese Welt hineingegeben und ruht wie auf einem Thron in der Bildmitte – Hinweis darauf, dass es das Zusammenwirken von irdischen und himmlischen Kräften für die Entstehung eines Menschenkindes braucht?
Das Neugeborene ist beinahe weiss, verhüllt und ähnlich einer Vasenform dargestellt: Wie ein noch unbeschriebenes Blatt, in das – wie es die Sterne über ihm andeuten – viel hineingelegt wurde: als Wegzehrung, für die Bewältigung des Lebensweges und um damit die Mitmenschen beschenken zu können. Symbolisch ist die Situation durch ein auf der Spitze stehendes Dreieck erfasst – oben ist die Basis, nach unten richtet sich das Ziel. Die Kräfte kommen von oben, das Kind bekommt von dort viel geschenkt, damit als Grundlage für ein gelingendes Leben Vertrauen, Verlässlichkeit und Sicherheit wachsen darf. Die Geburt öffnet den Lebensweg – die Kindheit beginnt mit Leichtigkeit, Spiel und Unbefangenheit, aber auch mit Vorsicht vor all dem Neuen.
• Ich schaue zurück auf meine Kindheit ...
• Woran denke ich gerne und mit Freude zurück ...
• Empfinde ich noch Trauer, Schmerz, Unversöhntheit ...
• Kann ich mit Gott darüber reden, ihm danken, ihn um Heilung bitten, Vergebung gewähren ...
• Will in meinem Leben noch etwas «neu geboren werden», ist es Zeit zum Säen in meinem Lebensgarten ...
• Ich spreche mit Gott darüber: dankend, lobend, bittend, klagend, fragend ...

Jugend
Aus dem zweiten Bild sprechen Wachstum, Aufbruch und Heiterkeit. Der jugendliche Mensch wendet sich von der Kindheit ab, er hat gelernt, auf eigenen Beinen zu stehen. Er setzt sich kraftvoll in Bewegung, selbstbewusst mit dem Finger auf sich zeigend.
• Wie steht es mit meinem «Selbstbewusstsein» ...
• Ich spreche mit Gott darüber ...
Der junge Mensch hat das ganze Leben vor sich! Voller Tatendrang schaut er nach oben – das Unendlichkeits-Symbol über ihm erfasst seine Situation: Das Leben steckt voller unendlicher Möglichkeiten. Er scheint sich an Idealen und grossen Vorbildern zu orientieren, um Lebensziele und seinen eigenen Lebensweg zu finden.
• Meine Lebensziele ...
• Kann ich sie benennen ...
• Lohnt es sich, für sie zu leben ...
• Möglichkeiten in meinem Leben: Nutze ich sie ...
• «Vertane» Möglichkeiten: Vielleicht muss ich sie noch verabschieden, betrauern, um Vergebung bitten ...
Der Bogen unter den Füssen des Jugendlichen bringt zum Ausdruck: Was grundgelegt wurde in der Kindheit, begleitet und trägt ihn nun bei seinem Tanz ins Leben ...
• Was trägt und hält mich …
• Ist «Fundamentsarbeit» angesagt bei mir – die Beschaffenheit meines «Lebens-Gartenbodens» erneuerungsbedürftig ...
Vieles ist (noch) grün – grün ist die Farbe des Wachstums, der Hoffnung. Vor allem wachsen dürfen Glaube, Hoffnung, Liebe, Friede, Freude, innere Freiheit ...

Lebensmitte   
Im dritten Bild wird der Mensch in glutroter Farbe fest und aufrecht stehend gezeigt, voller Energie – und auf Expansion aus – stehen ihm seine vollen Kräfte zur Verfügung.
• Meine Kräfte und wie ich sie einsetzte – ich rede mit Gott darüber ...
Der Mensch hat seinen Weg und seine Mitte gefunden und vermag die Höhepunkte des Lebens zu erreichen, aber auch seine Tiefen auszuloten: Ein Arm weist nach oben, der andere nach unten.
• Habe ich meinen Weg gefunden? Wo bin ich noch am Suchen? Ich rede mit Gott darüber ...
• Wäre das Gespräch mit einer Person meines Vertrauens über «meinen Weg» klärend ...
Die Möglichkeiten des Menschen werden zu Aufgaben. In der Mitte des Lebens hat er die Chance zum Aufrechtstehen, zum Halt, Vorbild und Orientierung für die Menschen links und rechts von ihm zu sein, er kann führen, aber auch verführen.
• Stehe ich «aufrecht» im Leben ... Wem bin ich Vorbild ... Wie kann ich Orientierung schenken ...
So kann der Mensch in der Lebensmitte Klarheit und Lebendigkeit ausstrahlen – er steht zwischen Jugend und Alter und spürt im Wechsel die scheinbar unbegrenzte Jugend in sich – aber auch schon die ersten Ahnungen der Begrenztheit im nahenden Alter. Das Quadrat als Symbol für Festigkeit, Klarheit aber auch Begrenztheit steht über diesem Abschnitt.
• Wie stehe ich im Leben ... Was fordert mich heraus ... Was weckt Sehnsüchte ...
• Ich versuche, mit Gott darüber zu reden ...

 

Alter
Das vierte Bild spricht vom Alter. Der Mensch steht da, wie in einer Form geprägt, festgelegt, ja beinahe starr. Es lässt die aufsteigende Angst des Abschieds im wieder enger werdenden Lebensraum durch hochgezogene Schultern spüren – aber hinter sich hat er den warmen Reichtum der Erfahrungen und Erlebnisse, die sich wie geologische Schichten im Laufe der Jahre abgelagert haben.
• Der Angst vor dem Altern das Vertrauen entgegensetzen: Heute Dir vertrauen, Du Gott meines Lebens – meine Zeit steht in Deinen Händen.
Der alternde Mensch blickt in einen tiefen Lebensraum zurück: Im Rot spiegelt sich die empfangene und gegebene Liebe, auf die der alternde Mensch als Kapital seines Lebens zurückblicken kann. In ihr öffnet sich ein gleissend heller Bogen, der in eine andere Wirklichkeit zu führen scheint.
• Ängste und Lebenserinnerungen können sich die Waage halten, aber der Älterwerdende kann mit mehr innerer Freiheit auf die Aufgaben und Fragen des Lebens schauen – gelingt ihm dies, so wird er Orientierungsfigur für die Jüngeren.
Als Symbol steht das nach oben gerichtete Dreieck für den Blick nach oben, für die Umkehrung der Kräfte.
Die Farbe des Alters ist voller Sättigung, sie ist Vorblick und Rückblick zugleich! Der alte Mensch erscheint vielleicht nicht mehr in voller Grösse, dafür aber in sich sicher und gefestigt. Er kann im Lebenstreiben Ruhepol sein.
• Wenn ich zu diesem Alter gehöre: Kann ich dafür danken und in der Gegenwart offen sein für das Leben und was mir geschenkt wird und was mir als Aufgabe gegeben
ist ...
• Wenn ich jünger bin: Wie ehre ich ältere Menschen ...

Tod
Im fünften Bild werden das Sterben und der Tod angesprochen. Der Bilderzyklus beginnt im lichten Blau, er endet in einer anderen Blau-Stimmung. Das Blau hat jetzt deutlich dunklere Nuancen, aber es ist umfasst von farbigen Feldern, von «Stücken» des Erlebten.
Der Kreis des irdischen Lebens hat sich geschlossen. Eine grosse Ruhe geht von der schwarzen und von beiden Seiten bedrängten Gestalt aus. Der Verstorbene blickt zurück auf sein Leben – und auf all die zurückbleibenden Menschen der unterschiedlichen Generationen.
Er selbst scheint einerseits isoliert, andererseits steht er aber in höchster Transparenz vor oder in einem unfassbarem Licht. Das Irdische und das Göttliche sprechen hier miteinander.
Das saphirblaue Feld hinter der Gestalt und das aus dem Kreis herausfliessende Licht scheinen sie aus den Tiefen der Erde herauszuziehen in eine andere Wirklichkeit. Der nach aussen und oben weisende Pfeil symbolisiert «die andere Welt» ... Wir glauben, dass der Tod nicht das Ende ist, sondern Übergang. Darauf weist auch die Form des umgekehrten T mit seinen aus dem Bild und ins Unendliche führenden roten Balken hin.
• Liebe und Unendlichkeit – unendliche Liebe – habe ich mich nicht das ganze Leben nach ihr gesehnt, so dass ich auch im Tod auf sie als ganz andere und doch irgendwie vertraute Wirklichkeit hoffe?


• Lehre uns bedenken, dass wir sterben müssen, auf dass wir klug werden3.
• Ich bete jeden Tag um die Gnade zu leben und um die Gnade zu sterben. Wir brauchen beides: Lebensgnade und Sterbensgnade4.
• Vielleicht gewöhne ich mir an, jeden Abend zu beten: Sei mein Heil, wenn ich wache und mein Schutz, wenn ich schlafe. Damit ich wache in Dir, Jesus Christus, und ruhe in Deinem Frieden. Eine gute Nacht und einst ein Sterben im Frieden gewähre Du uns barmherziger und lebensspendender Gott5.

1  Lied RKG Nr. 724,2
2  Konzipiert und umgesetzt von Jörgen Habedank für ein Verabschiedungshaus (2004). Die Bilderreihe gibt es in diversen Formaten als Digitaldrucke direkt beim Künstler. Infos und Anfragen per Mail an: art@STOP-SPAM.joergenhabedank.de
3  Ps 90,12
4  Walter Gasser
5  Komplet

 

Quellen
Patrick Scherrer (www.bildimpuls.de)
Jörgen habedank (www.bestattungen-zimmermann.de/Haus_der_Besinnung/Lebensstufen/lebensstufen.html)

 

Ruth Michel leitet als VBG-Mitarbeiterin das Ressort «Spiritualität und geistliche Begleitung».
ruth.michel@STOP-SPAM.insist.ch

To top