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Gesellschaft

Die Christen und die «bösen» Strukturen

Hanspeter Schmutz An Auffahrt starrten die Jünger ungläubig in den Himmel. Jesus hatte sich von ihnen verabschiedet und sie zu ihrem Entsetzen nicht mit in den Himmel genommen. Allerdings bevollmächtigte sie der Meister, in der Kraft des Heiligen Geistes bis zu seinem Wiederkommen mitzuhelfen, dass Gottes Wille nicht nur im Himmel, sondern auch auf Erden geschehen kann.

Beim Umsetzen dieses Auftrages gingen die Christen im Verlaufe der Geschichte ganz unterschiedlich vor1. Heute haben viele den Eindruck, dass das heilsame Eingreifen in die gesellschaftlichen Strukturen zumindest in unsern Breitengraden auf der ganzen Linie gescheitert ist. Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil: Die heutige Situation einer nachchristlichen Gesellschaft schafft neue Chancen, «böse» Strukturen zu verändern.

Wir leben in einer nachchristlichen Gesellschaft
Die religionssoziologischen Untersuchungen der letzten drei Jahrzehnte haben gezeigt, dass sich die Schweizer Bevölkerung zunehmend entkonfessionalisiert hat.

Im Jubeljahr blieb der Jubel im Halse stecken
Schon im Jubeljahr 1991 stellten die Autoren der Untersuchung «Konfessionelle Pluralität, diffuse Religiosität, kulturelle Identität in der Schweiz»2 fest3, dass zwar 93% der Schweizer Wohnbevölkerung religiös ist und sich diese Menschen entweder zu einer der Landeskirchen oder zu einer andern christlichen Glaubensgemeinschaft zählen. Allerdings gingen von diesen 93 Prozent lediglich 18 Prozent regelmässig zur Kirche. Die Hoffnung, dass die unregelmässigen Kirchgänger ihr Christsein zumindest im stillen Kämmerlein lebt, wird enttäuscht, wenn die Religiosität dieser 93% näher betrachtet wird. Grundlegend christliche Aussagen fanden schon 1991 nur noch teilweise eine Mehrheit, daneben tummelten sich «neureligiöse Ideen», die in Wirklichkeit nicht neu, sondern sehr alt sind. Es sind aufgepeppte religiöse Vorstellungen aus dem heidnischen Untergrund unserer Geschichte. Dasselbe Bild zeigte sich auch auf der mehr praktischen Ebene: «Quasi-religiöse Praktiken» wie gewisse psychologische Therapieformen, Yoga, Astrologie, Wahrsagen und Pendeln fanden ein hohes Mass an Zustimmung.

Jeder ein Sonderfall

Die jüngsten religionssoziologischen Untersuchungen machen deutlich, dass sich der Trend weg von den christlichen Wurzeln weiter verstärkt hat. Christen bewegen sich in einer zunehmend nach-christlichen Umgebung mit christlichen Erinnerungen. Sie sind eingebettet in «neuheidnische» totalitäre Strukturen, die oft bösartige, zerstörerische Züge tragen4.

Der Wertewandel hat auch die persönliche Einstellung zur Religion verändert: im Zuge des Individualismus glaubt jeder auf seine Art. Der offensichtlichste Ausdruck dieser Veränderungen ist die Entkonfessionalisierung: die zunehmend fehlende Bindung zur Kirche bzw. zu einem gemeinsamen Glaubensbekenntnis. Damit hat die Kirche an gesellschaftlichem Einfluss verloren. Kamen die Migranten anfangs aus katholischen Ländern, kommen sie heute aus Gebieten u.a. mit islamischer Prägung. Die kulturelle Identität der Schweiz ist – zumindest in religiöser Hinsicht – schon länger in Frage gestellt.

Eine heilsame Enttäuschung
Diese Situation ist aber kein Grund zur Panik. Im Gegenteil: Wir erleben in der Schweiz eine grosse Ent-Täuschung im guten Sinne des Wortes. Bisherige Täuschungen kommen zum Vorschein. Ich würde so weit gehen und sagen: Die Schweiz war gar nie christlich; das Christentum wurde nur kulturell übernommen; von der Wurzel her motivierte Christen waren immer in der Minderheit.
Sicher, der Kirchgang war früher eindeutig häufiger, aber er war vorwiegend kulturell und politisch bedingt. Ich vermute, dass die Schweizer Bevölkerung von der Wurzel des christlichen Glaubens her nie wirklich flächendeckend christianisiert worden ist.
Es ist kaum möglich, diese Aussage direkt zu belegen. Ich wähle deshalb einen indirekten Weg, um meine These zu stützen. Ich werde in einigen Aspekten zeigen, was der christliche Glaube von der Wurzel her war und wie dieser Glaube im Verlaufe der Kirchengeschichte vermittelt worden ist. Im Folgenden soll gezeigt werden, dass schon aufgrund dieser Vermittlung die Christianisierung nur oberflächlich in Form einer kulturellen Übernahme geschehen konnte.

Erste Phase: Die Urgemeinde als Gegenkultur

Der Theologe Wolfgang Bittner beschreibt die erste Phase des Christentums so:
«Mitten in einer Kultur, die die Kraft zur einheitlichen Welt- und Lebensorientierung nicht mehr vermitteln konnte, traten Menschen auf, die klare Ziele ihres
Lebens kannten, sie formulieren und dazu einladen konnten ... Menschen, die aus ihrer religiösen Bindung eine Kraft empfingen, die innerhalb der damaligen Gegenwart einzigartig war und wohl darum so anziehend erschien ...5.»
Bittner spricht von einem Gegenüber zwischen der Urgemeinde und der damaligen Kultur.
«Dieses Gegenüber wurde nicht nur von den Christen so betont, sondern auch von den antiken Kulturträgern unmittelbar so verstanden. Christen wurden als Atheisten, bzw. Anarchisten bezeichnet, d.h. der Glaube an Jesus als den Messias Israels, den Sohn Gottes und Herrscher der Welt wurde ... als direkter Angriff auf die Gottesauffassung antiker Kultur, antiker Ethik und damit überhaupt antiker Ordnungsauffassung verstanden.»
Mit andern Worten: Die Urgemeinde bildete sowohl religiös, wie auch kulturell und individuell eine Gegenkultur zur damaligen Zeit. Und sie kam damit sogar an. «Sie waren überall gern gesehen. Der Herr führte ihnen jeden Tag Menschen zu, die er retten wollte», wird in der Apostelgeschichte berichtet6.
Zusammen mit Wolfgang Bittner denke ich, dass vor allem drei Elemente dieser christlichen Gegenkultur dazu führten, dass die christliche Urgemeinde so kräftig und lebendig war.

1) Der Einstieg in die Urgemeinde war verbunden mit einem Ruf zur Umkehr und führte zu einem neuen Denken.
Es ist bedeutsam, wie der Verkündiger Petrus die Pfingstpredigt abschloss, die dann zur Gründung der Urgemeinde führte. Er erklärte seinen Zuhörern vorerst im inhaltlichen Teil seiner Botschaft die Bedeutung von
Jesus Christus. Auf die Frage, was nun zu tun sei, antwortete er als Anwendung dieser Botschaft: «Tut Busse», d.h. ändert eure Einstellung, euer Denken. Dieses Umdenken war ganz direkt auf Jesus bezogen: Jesus ist nicht ein harmloser Idealist oder gar ein jüdischer Sektierer, wie ihr gemeint habt; er ist der Messias, Gottes Sohn, der euch den Zugang zu Gott erst möglich macht. Er ist der wirkliche Herr und Retter. Wendet euch ihm zu.
Die ersten Christen nahmen diese Botschaft ernst; sie bildeten damit von ihrem Denken her, vorerst religiös und später auch politisch gesehen, eine Gegen-Kultur.

2) Die Herausgerufenen lebten die Beziehung zu ihrem neuen Herrn und Retter so radikal, dass alle Bereiche ihres Lebens davon betroffen wurden. Christsein war für sie nicht Religion, sondern Lebensstil, verbunden mit einer Umwertung aller Werte. Das neue Denken führte zu einem neuen Handeln.
«Alle, die zum Glauben gekommen waren, taten ihren ganzen Besitz zusammen. Wenn sie etwas brauchten, verkauften sie Grundstücke und Wertgegenstände und verteilten den Erlös unter die Bedürftigen. Täglich versammelten sie sich im Tempel, und in ihren Häusern feierten sie in unbekümmerter Freude das gemeinsame Mahl», berichtet der Chronist in der Apostelgeschichte7.
Die neue Denkweise der Christen, ihre Jesus-Beziehung wirkte sich in unserm Beispiel aus auf die Bereiche Besitz, Geld, Gottesdienst und Wohnen. Mit diesem neuen Handeln bildeten die ersten Christen auch in einem gesellschaftlichen Sinne eine Gegenkultur.

3) Der Glaube an Jesus war in der urchristlichen Gemeinde und auch im Verständnis von Jesus nicht nur aber vom Ansatz her zuerst eine persönliche Sache zwischen dem einzelnen Menschen und seinem persönlichen Gott; mit diesem persönlichen Ansatz war der einzelne Mensch in seiner Freiheit zur Entscheidung angesprochen.
Dies war theologisch gesehen eine Neuerung; im jüdischen Verständnis – wie wir es im Alten Testament finden – war stärker die Gemeinschaft, das Volk angesprochen. Der persönliche Aspekt trat nun in einen fruchtbaren Dialog mit dem gemeinschaftlichen Verständnis. Ausdruck davon war etwa der neutestamentliche Gottesdienst, bei dem als Standard galt: «So oft ihr euch versammelt, hat ein jeder etwas in Bereitschaft8.»
Gefragt war also die Begabung jedes und jeder Einzelnen; Glaube wurde in keiner Weise delegiert, weder an andere Personen noch an die Gemeinschaft, sondern persönlich erlebt und gestaltet. Wie wir gesehen haben waren die Auswirkungen dieses persönlichen Glaubens dann aber durchaus auch gesellschaftlich.
Biologische Geburt oder kollektiver Glaube im Rahmen eines Volkes waren bei Jesus nicht mehr gefragt, vielmehr die persönliche Entscheidung für ihn. Christsein war für ihn etwas anderes als religiöses Interesse, er forderte seine Zuhörerinnen und Zuhörer zur Nachfolge auf. Sogar im engsten Jüngerkreis fragte er: «Was habt ihr vor? Wollt ihr mich auch verlassen9?»

Zweite Phase: Die christliche Gemeinde in einer christlichen Kultur
Die christlichen Urgemeinden hatten trotz Verfolgung Erfolg. Es gelang ihnen zumindest teilweise, aufgrund ihres neuen Denkens und Handelns – verbunden mit Überzeugungsarbeit – die damalige Kultur zu durchdringen.

Die konstantinische Wende
Im Jahre 311 wurde das Christentum zum geduldeten Kult erklärt10. Trotz ihres Erfolges blieben die Christen aber eine Minderheit. Man nimmt an, dass zu dieser Zeit im Raum des römischen Reiches etwa fünf bis fünfzehn Prozent der damaligen Bevölkerung zum Christentum übergetreten war.
Zu einem wesentlichen Einschnitt in der Kirchengeschichte wurde das Jahr 312. Der römische Kaiser Kon-stantin der Grosse trat zu diesem Zeitpunkt zum Christentum über. 313 gab man der jungen Kirche ihre Güter zurück, der Klerus wurde von der Steuerpflicht befreit. In der übernächsten Kaisergeneration wurde das Christentum dann zur Staatsreligion: Theodosius I verbot 391 alle alten vorchristlichen Kulte. Damit war der Schritt zur Staatskirche getan. Die christliche Gemeinde bildete nicht mehr eine Gegenkultur, sie beherrschte die Kultur zunehmend, sowohl im politischen, gesellschaftlichen und individuellen Sinne.
Diese Änderung zeigte sich auch in der Vermittlung des christlichen Glaubens. Um das zu illustrieren, gehe ich wiederum den drei Kriterien entlang, die – wie wir gesehen haben – einen Teil des Geheimnisses der christlichen Urgemeinde ausgemacht hatten. Die Beispiele kommen aus verschiedenen Epochen der Kirchengeschichte, sind aber allesamt Ausdruck von Spätfolgen der «konstantinischen Wende».

1) Der Einstieg in die Urgemeinde war verbunden gewesen mit einem Ruf zur Umkehr und hatte zu einem neuen Denken geführt. Nun wurde die Umkehr zu einem neuen Denken mit einem Ruf der Regierung «von oben nach unten» verordnet.

Was bisher in der Familie und durch die Gemeinde tradiert worden war, wurde nun zunehmend eine Sache der Staatsraison. Die einheitliche Religion bildete eine ideale Klammer, um einen einheitlich disziplinierten Staat zu schaffen. Nicht immer geschah diese Verordnung plump und gewalttätig wie bei der Zwangstaufe der Sachsen. Die Missionierung der Schweiz kennt durchaus Phasen von seriöser Überzeugungsarbeit im Sinne der ersten Christen. Das Prinzip «von oben nach unten» wurde aber immer dann angewandt, wenn die Machtverhältnisse dies erlaubten.
Dies galt auch dann, als die reformierte Variante des christlichen Glaubens eingeführt wurde. Nach Anhörung von Theologen und einer Diskussion in der politischen Elite wurde die neue Religion jeweils den übrigen Einwohnerinnen und Einwohnern verordnet, was teilweise zu einem massiven Eingriff in das persönliche religiöse Leben der Bevölkerung führte.

2) Damit das neue Denken auch zu einem neuen Handeln führte, musste – weil der persönliche freie Entscheid fehlte – von oben nach unten Druck aufgesetzt werden.
Wenn wir die Regierungsmandate und Polizeigesetze
aus der Zeit kurz vor der französischen Revolution unter die Lupe nehmen, wird deutlich, wie total die Verordnung christlicher Ethik mittels Staatsgewalt geworden war.
«Gott hat unnütze Überflüssigkeit verboten»11, konnte die christliche Begründung eines Sittenmandats der reformierten Stadt St. Gallen heissen. Die Folge davon hiess: Bürgermeister und Räte der Stadt St. Gallen verboten jeden Überfluss bei Kleidern und Schuhen. Es galt als unanständig, kurze Schlutten (Jacken) zu tragen und entblösste Arme zu zeigen. Es gab amtlich angestellte Aufpasser, die zum Beispiel vorehelichen Beischlaf oder das Zuspätkommen bei Kirchgängen anzeigten.
Eine feinere Form der Kontrolle ergab sich bis vor Kurzem im sogenannten katholischen Milieu: Rund um die eigentlichen kirchlichen Aktivitäten wurde ein Netz von gesellschaftlichen Angeboten geknüpft, sodass von der Wiege bis zur Bahre die gesellschaftlichen und persönlichen Bedürfnisse christlich aufgefangen werden konnten. Da gab es in einer katholisch geprägten Stadt den katholischen Mütterverein, die Blauring- bzw. Jungwacht-Jugendbewegung, die katholische Studentenverbindung, die Katholisch-Konservative Volkspartei (heute: CVP) oder den katholischen Turn- und Sportverein, um nur einige Beispiele zu nennen. Da die katholischen Gebiete bis weit ins 20. Jahrhundert territorial geschlossen blieben, ergab sich so ein in jeder Hinsicht katholisch geprägtes Milieu, ohne störende Einflüsse von aussen.
Das Postulat des neuen Handelns in allen Lebensbereichen wurde also strukturell umgesetzt. Durch die Geschlossenheit des Milieus entstand ein starker Gruppendruck, auch ohne direkte Verordnung von oben nach unten. Wer gesellschaftlich etwas sein wollte, musste sich im (katholischen) Vereinswesen emporarbeiten. Mit andern Worten: Es war chic, katholisch-christlich zu sein und zur Kirche zu gehören. Ob man auch von der Wurzel her Christ war, darüber konnte im besten Fall der Beichtvater Auskunft geben, aber der war bekanntlich an die Schweigepflicht gebunden.

3) In der Urgemeinde waren der persönliche Ansatz und die Wichtigkeit der Entscheidung prägend für die Lebendigkeit des Glaubens. Relativ rasch wurde die Tradierung des christlichen Glaubens innerkirchlich mit festen Strukturen abgesichert. Damit war die Tradierung risikoloser, der persönliche Ansatz des Glaubens aber wurde immer weniger wichtig, mit der Zeit empfand man ihn sogar als verdächtig.
Diese strukturelle Absicherung geschah u.a. durch ein sakramentales System: Die wesentlichen Inhalte des Glaubens wurden in kirchliche Akte gefasst, diese wiederum exklusiv durch kirchliche Amtsträger vermittelt. Die Annahme des Sünders ohne eigene Leistung fand ihren Ausdruck in der Säuglingstaufe, die Begabung durch den Heiligen Geist in der Firmung, die persönliche Einwilligung in eine Beziehung zu Gott in der Konfirmation.
Der persönliche Ansatz des Glaubens und die freie Entscheidung wurden durch diese Systematisierung abgewertet, wenn nicht sogar verunmöglicht. Dies führte zu einer allgemeinen Religiosität, die nicht automatisch tiefgreifende Auswirkungen auf das persönliche Leben der Kirchenglieder bzw. des Volkes hatte. Die Form war tendenziell wichtiger als der Inhalt.
Durch das Staatskirchentum hatte die Kirche aufgehört, eine Minderheit von Überzeugten zu sein. Das Christentum war der prägende Faktor für die Kultur geworden. Die Art der Vermittlung des christlichen Glaubens «von oben nach unten» und durch feste Strukturen dürfte aber weithin verhindert haben, dass auch eine Christianisierung der Herzen stattfand.

Mit einem «radikalen» Christsein die Gesellschaft verändern

Nach der Entkonfessionalisierung in den letzten Jahrzehnten stehen wir heute in einem gewissen Sinne wieder dort, wo wir vor Konstantin waren. Das mag ernüchternd sein. Zugleich stehen wir aber vor einer heilsamen Herausforderung: Die heutige «nachchristliche» Situation ist eine Chance, wie zur Zeit der Urgemeinde das Christsein von der Wurzel her zu leben – und die Gesellschaft nicht von oben nach unten, sondern vom Rand her zu verändern.
Unsere nachchristliche Gesellschaft hat noch christliche Erinnerungen. Von manchen christlichen Spuren in unseren Strukturen – etwa in der Rechtssprechung – profitieren wir bis heute. Andere wirken aber wie Relikte, die sich oft eigenartig von der nachchristlichen Umgebung abheben. Auch wenn sie oft liebevoll gepflegt werden: Sie entpuppen sich bei näherem Nachfragen meist nur noch als christliche Romantik12.
Die heutige «nachchristliche» Situation lädt uns dazu ein, in einer ähnlichen Weise wie die ersten Christen den christlichen Glauben radikal13 – und damit von
der Wurzel her – zu leben: in einer persönlichen Beziehung zum dreieinen Gott, geprägt von den Werten des Reiches Gottes und eingebettet in eine christliche Gemeinschaft. Christen können die Gesellschaft heute nicht mehr aus einer Machtposition heraus verändern,
sondern nur noch vom Rand her. Die christlichen Erinnerungen und Spuren in den Strukturen können dabei Anknüpfungspunkte sein; manchmal gleichen sie aber auch Fallstricken, weil sie schlechte Gefühle auslösen. So oder so: Beim Verändern von heillosen Strukturen braucht es heute eine hohe soziale Kompetenz und die Fähigkeit, das Evangelium in verständlicher Sprache sowie anhand von gelebten Beispielen weiterzugeben. So kann es gelingen, nicht nur gute Strukturen zu schaffen, sondern auch die Herzen der Menschen zu gewinnen.
In unserer Gesellschaft gibt es eine Sehnsucht nach dem Guten, Wahren und Schönen. Daran können wir anknüpfen. Beflügelt vom Heiligen Geist und herausgefordert vom christlichen Kultur- und Missionsauftrag sind wir eingeladen, unserer Gesellschaft mit allen Fasern unseres Lebens zu dienen – bis Jesus wiederkommt.

 

1 2 Kor 4,16

2 2 Kor 12,9

3 Offb 21,4

4 Buchtitel


Hanspeter Schmutz ist Publizist und Leiter des Instituts INSIST
hanspeter.schmutz@STOP-SPAM.insist.ch

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